Die Winter waren kalt und trocken.Dabei waren Temperaturen im Minusbereich sehr lang anhaltend konztant.Die höchste Temperatur,die ich ablas,war 52 Grad Minus.In freier Natur war kein Tier zu hören,die Luft klar und sauber,eine Anmut wie auf einem anderen Planeten.Der Qualm aus den Schornsteinen der Blockhütten stieg träge auf.Bei Sonnenaufgang gab es ein Spiel an Farben und Motiven,einfach unbeschreiblich und unvergesslich.Die Filme im Fotoapparat rissen häufig vom Frost.Schneefälle gab es lang anhaltend.
Der Übergang vom Winter zum Frühling war kaum spürbar.Eigentlich ging es gleich ab in den Sommer.Es war schon recht warm,da trieben noch Reste von Eisschollen auf der Kama.Der Fluß war eine gute Abwechslung für uns zum baden.
Der Übergang vom Herbst zum Winter machte sich durch lang anhaltende Regenschauern bemerkbar.Mistwetter,welches eine Menge Humor verlangte.Matsch,Nässe,Kälte,Dunkelheit,trübe Aussichten.
Die Tierwelt : Es gab im Uralgebiet Bären,Füchse,Elche,Wölfe,Marder,Dachse und Bieber.Sicherlich gibt es noch mehrere Tiere,aber das ist wohl nicht besonders wichtig.In erster Linie hatten wir den Job zu machen und nicht die Natur zu erforschen.Vogelwelt : Adler,Falken,Uferschwalben und andere,die ich nicht alle kannte.
Die Vegetation bestand vorwiegend aus Nadelwald,manchmal auch Mischwald mit dem Baum - Hauptanteil Birke.
Auf der Baustelle wurden riesige Heideniaöfen aufgestellt,die Tag und Nacht von Heizern befeuert wurden.Die neu gebauten Hochhäuser sollten austrocknen,andere Gewerke mußten in den Bauten weiter arbeiten können.Das gesamte Baumaterial wurde aus der DDR per Bahn über Polen im Container verschickt.Vom kleinsten Nagel bis zur Tischdecke,alles wurde rangeschafft.Kein Wunder,dass es oft Engpässe in den Läden zu Hause gab.Manchmal wurden die Container unterwegs geplündert.Dann kamen schlechte Zeiten auf uns zu.Besonders schlimm,wenn Versorgungscontainer der Küche betroffen waren.Ich erlebte,dass wir aus dem Grund Elchfleisch aßen.Nichts war dagegen einzuwenden,jedoch fast täglich und über einen langen Zeitraum wurde es zum Ekel.Baumaterial durfte nicht fehlen,das war schlimm.Die Planerfüllung sollte eingehalten werden.Wir bauten vom WBK Potsdam ein komplett neues Stadtteil auf,genannt Asina.Neubaublöcke der Wohnungsbauserie WBS70,eine Kinderkombination ,Hochhäuser und Kleinbauten waren unser Aufgabenbereich.Die Hochhäuser wurden auf Pfähle gegründet.Diese Betonpfähle wurden im Baugrund gerammt.Oft ließen die Pfähle sich nicht tief genug einschlagen.Große Felssteine lagen im Weg.Dann wurden die zu langen Pfähle mit Preßlufthämmern gekürzt.Eine Knochenarbeit.Die Fundamente zu betonieren war auch oft schwer.Im Winter Beton zu verarbeiten ist da ein Fachgebiet für sich.Frostschutzsalz half nicht mehr.Die Russen sagten zwar,doppelte Menge = doppelter Schutz,aber diese Milchmannrechnung war uns zu einfach.Es ging um die Sicherheit.Wir besorgten uns von den Russen aus einem Werk Pottasche,einem Hochofenabfallprodukt.Dieser Stoff ist ideal als Frostschutz.Die Fundamente wurden geröntgt.Es durfte erst montiert werden,wenn die Fundamente von der russischen Baubehörde abgenommen wurde.Das hieß oft Wodka,Sauna und Geschenke.Mit diesen Schmierstoff ging es manchmal besser.Endlich gab es dann den Freigabestempel.
Der Standort Tschaikowski galt als Genexbaustelle mit hohem Komfort und Luxus.Es gab feste Unterkünfte,ein eigenes Trassenradio,fast jeden Sonnabend Disco in der Mehrzweckhalle,eine Verkaufsstelle-genannt das Brett und einen Volleyballplatz.Die Kama war zum baden nicht weit entfernt.Die gesamte Anlage befand sich in der Stadt Tschaikowski,die ca. 75000 Einwohner hatte.Oft gingen wir einkaufen auf den Rinok,oder zogen in die Goldläden auf Souvinierjagd.Viele hatten auch ihre Freundin in der Stadt.Tschaikowski hatte einen Frauenüberschuß,auf Grund der ausgedehnten Textilindustrie im Totsch-Masch - Richtung Zecke.Frauen waren die Haupbeschäftigten.Viele kamen aus den umliegenden Dörfern.Es ergaben sich viele Freundschaften und auch Eheschließungen.Die Folge waren oft Scheidungen in der DDR.Die langen Trennungsphasen spielten dabei auch eine Rolle.Im Jahr gab es 3 mal Urlaub.Die Arbeitszyklen- Ritt genannt,waren sehr anstrengend.Gearbeitet wurde 25 bis 30 Tage im Monat,täglich 12 Stunden.Die Überstunden wurden als VAZ- Vorarbeitungszeit verbucht.Das war dann der angesparte Urlaub.Im Wohnlager und allgemein untereinander herrschte ein tolles Kumpelklima.Es wurde zusammen gearbeitet,gefeiert und gezappt.Einige kamen nicht klar mit den Bedingungen,dem Stress zu Hause,dem Arbeitsstress und dem Alkohol.Die Post ging 3 bis 5 Wochen.Da war es besser,alles mit der Dienstpost zu schicken.Kein deutsches Fernsehprogramm,kein deutsches Radioprogramm,keine deutsche Zeitung.Die Informationsisolierung war mit am schlimmsten.Wenn es Zeitungen gab,waren sie völlig veraltet.Also waren Kassettenrecorder und Tonbänder die einzigste Lösung.Täglich Grönemeyer und Juliane Werding - drei Jahre lang rauf und runter,Amadeus von Falco und Modern Talking bis zum abwinken.
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Jannaschinfo 2006 , Update 10.2007